Verrückt – kulturelle Vorstellungen von Menstruation. Teil 1

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Weltweit haben viele kulturelle Gruppen Bräuche, die menstruierende Frauen einschränken. Während diese für traditionelle Einstellungen gehalten werden, gelten Ansätze, die im ‚Westen‘ verbreitet sind, als ‚modern‘. Auch wenn wir lokale Praktiken, die Verbote rund um die Menstruation hervorbringen, kritisieren, stimmt es nicht unbedingt, dass durch das Ersetzen von kulturellen Traditionen durch ‚westliche‘ Menstruations-Bräuche Frauen ‚befreit‘ werden. Traditionelle Restriktionen sollten nicht mit weiblicher Unterdrückung gleichgesetzt werden. Einige können Frauen ‚empowern‚ (also stärken), indem sie ihnen Raum für Autonomie geben und sie von ihren sonst alltäglichen Aufgaben befreien. Viele der Frauen sehen die Regeln als Teil ihrer lokalen Identität und als wichtigen Beitrag zur Funktionalität der Gesellschaft. Ich überlasse es Euch, diese weiter zu bewerten… Im ersten Teil dieses Beitrags werden wir uns Menstruations-Tabus im nicht-westlichen Kontext ansehen. Im zweiten Teil betrachten wir dann, wie nicht-westliche Traditionen die Menarche (Auftreten der ersten Regelblutung) feiern – mit einem ungewöhnlichen Beispiel aus Indien. Und im nächsten Beitrag werden wir die Probleme von westlichen kulturellen Einstellungen zu Menstruation mit besonderem Fokus auf die Werbung ermitteln.

Viele der Pflichten menstruierender Frauen, sollen andere Mitglieder der Gemeinschaft schützen. Zum Beispiel ist der Glaube verbreitet, dass es für einen Mann gefährlich ist, mit einer menstruierenden Frau Sex zu haben, weil die Blutung als schmutzig gilt. Extreme Auswüchse dieser Annahme gibt es z. B. bei den Kodi von Sumba (einer Insel im Osten Indonesiens), die glauben, dass Männer, die Sex mit menstruierenden Frauen haben, sexuelle Krankheiten übertragen. Im Allgemeinen gibt es viele kulturelle Gruppen, in denen sexueller Kontakt zwischen Mann und menstruierender Frau vermieden werden muss, wie im orthodoxen Judentum, im Islam und bei Rastafari-Gruppen, oder auch auf Bali. Aus einem ähnlichen Gedanken heraus werden menstruierende Frauen von ihren Partnern und Familien getrennt und in manchen kulturellen Traditionen gezwungen, isoliert zu schlafen. Dies gilt etwa für manche Rastafari-Gruppen, Hindus im Süden Indiens, auf Bali sowie für einige Gruppen in Nigeria, wo Frauen eine „Menstruations-Hütte“ zugewiesen wird (ein Brauch, der früher in vielen Teilen der Welt verbreitet war, aber nach und nach verschwunden ist).
Wiederum zum Schutz der Familie der menstruierenden Frau darf sie in den Hindu-Gruppen Nepals und Rajasthans und in Bali, Bangladesh sowie bei Rastafaris nicht kochen oder mit dem Essen Anderer in Berührung kommen. Um die Gemeinschaft zu schützen und als Zeichen des Respekts gegenüber Heiligkeiten, müssen Frauen in vielen Hindu-Gesellschaften, auf Bali, im Islam und in der Shinto-Religion Japans während ihrer Tage von religiösen Orten fernbleiben.
Schließlich muss eine Frau, deren ‚unsaubere‘ (sprich menstruierende) Phase vorbei ist, ein rituelles Bad am Ende ihrer Regelblutung nehmen. Praktiziert wird das beispielsweise in Bali und im orthodoxen Judentum, wo das Bad mikveh heißt.

Andere Praktiken sollen menstruierende Frauen schützen. In Rajasthan dürfen Mädchen, die ihre Tage haben, nicht über Kreuzungen laufen, da sie als besonders verletzlich gegenüber ‚bösen Geistern‘ gelten. Aus demselben Grund ist es in Südindien gebräuchlich, ein Stück Eisen oder Zitrone bei sich zu tragen. Ebenfalls in Südindien sollen Mädchen, die ihre erste Periode haben (die Menarche) keinen Kontakt zu Jungs haben und sie dürfen nicht mehr so viel Zeit draußen verbringen, wie früher. Weil sie ab jetzt schwanger werden können, gilt Kontakt mit Männern als besonders gefährlich. Interessanterweise wird in vielen der von mir erwähnten Gemeinschaften, in denen die Verbotspraktiken rund um Menstruation gelten, die Menarche der Mädchen gefeiert. Zeremonien mit Essen, Familie, FreundInnen und Geschenken sind in Nepal, Südindien, Bali, Bangladesh, Japan, bei den Akan aus Ghana und den Maroons aus Surinam verbreitet. Bei den Zulu in Südafrika wird eine Ziege geschlachtet, das Mädchen wird mit ihren Freundinneneingesperrt und am nächsten Tag gebadet, mit rotem Lehm eingeschmiert und über das Erwachsensein von anderen Frauen belehrt.

Ein einzigartiger Brauch zur Ehrung der Menstruation wird von den Bauls aus Bengal, Indien, praktiziert. Die Bauls sind eine religiöse Gruppe, die Elemente aus Hinduismus und Islam mischen. Sie sind Menschen, die die Bräuche der Bengali-Gemeinschaft ablehnen, und leben von Geld, was sie für Singen an öffentlichen Orten einsammeln. Bauls ehren körperliche Stoffe, die Hindu-Gesellschaften zumeist als schmutzig erachten und praktizieren die‚Tabus‘, wie zum Beispiel, Sex mit einer menstruierenden Frau zu haben. Tara, eine Baul-Frau, erinnert sich an die Feier zu ihrer ersten Periode, bei der Menstruationsblut mit Kuhmilch, Kokosmilch, Kampher, Palmensaft und Zucker gemischt wurde und dann von den Anwesenden getrunken wurde, im Glauben dies sei ein höchst regenerativer Stoff, der das Gedächtnis, Konzentration, Glück, Weisheit und Liebe stärkt.

Dieser Baul-Brauch mag extrem wirken, er zeigt jedoch, wie divers der Umgang verschiedener kultureller Gruppen mit dem monatlichen Zyklus ist. Gleichzeitig scheint es einen roten Faden zu geben, der sich durch die weltweiten Überzeugungen und Praktiken zieht: Menstruation wird als eine Erfahrung gesehen, die angsteinflößend und empowernd (stärkend) zugleich ist.

Mara Budgen hat gerade ihr Politikstudium der SOAS (School of Oriental and African Studies, London) abgeschlossen und ist eine angehenden Journalistin. Sie schreibt ehrenamtlich für den Ruby Blog.

Julie Weigaard Kjaer

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